Miller, Mozart und Fame furios in Blech Drucken

vom 03.07.2006; Mitteldeutsche Zeitung


Jugendblasorchester fasziniert im Steintor - Unterstützung für Schüler - Programm mit Bernsdorf?

Halle/MZ. Nicht nur junge Fußballstars provozieren derzeit Menschenaufläufe. Die Musiker des Jugendblasorchesters Halle sorgten quasi spielend für ein ausverkauftes Steintor-Varieté. Denn mit ihrem Konzert zum Schuljahresende bewiesen die musizierenden Schüler der Kooperativen Gesamtschule "Wilhelm von Humboldt" Leidenschaft, hohes musikalisches Können und stilistische Vielfalt.

Musikalische S-Klasse
Der Eröffnungstitel "Rhythm Explosion" gab wie ein Leitspruch vor, was in den zweieinhalb Stunden folgen sollte. Die Klassiker Glenn Millers durften dabei nicht fehlen - fordern sie in ihrer Unterschiedlichkeit doch schnelle Tempowechsel und präzise Akzentuierungen durch das Orchester, das hier durchaus noch kleine Reserven offenbarte. Mitreißend erklang der Marsch "Hoch Heidecksburg". Und auch beim russischen Medley gelang es den Musikern eindrucksvoll, deren schwermutig-seelenvolle Stimmung aufblitzen zu lassen.

Doch was dieser Klangkörper unter der Leitung von Enrico Rummel zu leisten vermag, bewies vor allem das S-Orchester. Die Namensähnlichkeit mit der S-Klasse einer Automarke ist kaum Zufall, vereint dieser Ensembleteil doch Spitzenmusiker der einzelnen Instrumente. Wie das Mini-Orchester die poppigen Rhythmen des Films "Fame", Mozarts "Figaro-Marsch", vor al1em aber J. Williams "Highlights From Hook" geradezu zelebrierten, brachte selbst Gesangsstar Gabriele Bernsdorf vom Opernhaus ins Schwärmen. Sie führte als kurzfristig eingesprungene Moderatorin nicht nur charmant-plaudernd durch das Konzert, sondern würdigte das Engagement von Lehrern und der Familien, ohne die solche Leistungen unmöglich wären.

Gäste tanzen
So schien es fast zwangsläufig, dass sowohl der Förderverein des Orchesters als auch die Volkssolidarität durch finanzielle Hilfe die Ausbildung künftiger Schüler unterstützen werden. Für Nachwuchs scheint gesorgt, wurden doch im Rahmen des Konzerts nicht nur einige Mitglieder verabschiedet, sondern auch neue Talente aufgenommen. Ein weiterer Grund zum Feiern also - und dazu hatte sich das Orchester auch Gäste eingeladen: Junge Mitglieder des Zscherbener Karnevalvereins sorgten mit Tänzen ebenso für Kurzweil wie das Jugendkabarett Halle, das die Marktpflasterung aufs Korn nahm und zeigte, wie Halle von Besuchern Maut (aus unseren Taschen) kassieren könnte.

Dass an der Schule nicht nur Blasinstrumente hoch im Kurs stehen, bewies schließlich die Schüler-band, die Candy Dulfers berühmtes "Lily Was Here" (mit S-Orchestermitglied Tony Schultz am Saxophon) filigran interpretierte. Demnächst übrigens könnte das Orchester mit einer Solistin im Rampenhicht stehen: Bernsdorf bot an, ohne Honorar mit dem Orchester Swingtitel einzustudieren. Danach spielte sich im Finale "When You Believe" umso leichter.